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GESCHICHTE & KULTUR

Jordaniens Norden - Auf den Spuren der Römer
In ganz Jordanien finden sich Schätze aus den unterschiedlichsten Epochen. Auch die Römer haben die Geschichte des Landes beeinflusst und ihre Spuren hinterlassen. So gehörten fünf Städte im Norden Jordaniens zur römischen Dekapolis (62 v. Chr. bis etwa 200 n. Chr.), einem Bündnis von zehn freien Stadtstaaten, die Rom loyal gegenüberstanden: Umm Qays, Pella, Jerash, Abila und Amman.
Jerash Jerash

Jerash gilt als eine der besterhaltenen römischen Provinzstädte der Welt. Leider wurden 747 nach Chr. viele der Bauten durch ein Erdbeben zerstört. Dennoch: In Jerash kann man leicht einen ganzen Tag verbringen und wird bei jedem Besuch immer noch Neues entdecken.

Schon seit 6000 vor Chr. wurde Jerash besiedelt und war im Nabatäerreich ein Handelsstützpunkt auf dem Weg nach Damaskus. Aber erst unter den Römer wurde die Stadt wirklich bedeutend:

Prachtvolle gepflasterte Kolonnadenstraßen, ein Forum, ein großes Hippodrom, Bäder, Brunnen, Theater und Tempel für Zeus und Artemis wurden angelegt. Zu Ehren des Besuchs von Kaiser Hadrian wurde direkt beim Hippodrom ein reich geschmückter 21 Meter hoher Stadtbogen errichtet. Die 245 Meter lange und 52 Meter breite Arena fasste bis zu 15.000 Zuschauer für Wagenrennen und andere Sportereignisse. Noch heute finden hier täglich Gladiatorenkämpfe statt, die Besucher leicht in die Zeit zurückversetzen. Nach dem Südtor gelangt man zum ovalen Forum, einem der beeindruckendsten Monumente von Jerash. Der 90 x 80 Meter große Platz ist von einem breiten Gehsteig und einer Kolonnade mit gut erhaltenen ionischen Säulen aus dem ersten Jahrhundert n. Chr. umgeben. Von dort beginnt der Cardo Maximus, die noch mit den ursprünglichen Steinen gepflasterte Hauptstraße auf der man sogar noch die Rillen der Pferdegespanne sieht. Unter der gesamten Länge von 800 Metern verlief ein unterirdisches Abwassersystem. Über gleichmäßig verteilte Löcher an den Seiten der Straße konnte das Regenwasser in die Kanalisation abfließen.

Damit nicht genug: Oberhalb der Cardo Maximus befindet sich auf der linken Seite das mit vielen Reliefs verzierte Portal des römischen Dionysostempels aus dem zweiten Jahrhundert. Im vierten Jahrhundert wurde mit dem Baumaterial des Dionysostempels eine byzantinische Kirche errichtet, die heute "Kathedrale" genannt wird. Gleich daneben ist eine aufwändig ornamentierte und gut erhaltene Brunnenanlage, die im Jahre 191 n. Chr. errichtet und den Nymphen geweiht wurde.

Schließlich gibt es in Jerash noch zwei Theater, die beide auch heute noch für Veranstaltungen und Aufführungen genutzt werden.
Amman Amman

Die heutige Hauptstadt Jordaniens kann ebenfalls auf eine lange Geschichte zurückblicken: Amman gab es schon in der Steinzeit.

Auf der Zitadelle des alten Rabbath Ammon haben Ausgrabungen zahlreiche römische, byzantinische und frühislamische Überreste zu Tage gefördert. Von dort hat man auch einen atemberaubenden Blick auf das Zentrum von Amman. Zu den Sehenswürdigkeiten zählt beispielsweise der Omayaden-Palast, der um 730 n. Chr. erbaut wurde, der Herkulestempel, der aus der Herrschaftsepoche des Kaisers Markus Aurelius stammt und die byzantinische Kirche, die in das sechste oder siebte Jahrhundert nach Christus datiert. Am Fuß der Zitadelle liegt das in den Hügel gemeißelte Römische Theater mit seinen 6.000 Sitzplätzen, das noch heute für kulturelle Veranstaltungen genutzt wird.
Schätze in der Wüste: Kreuzritterburgen

In Jordanien stößt man überall auf die architektonischen Hinterlassenschaften der verschiedenen Zivilisationen, die die Geschichte des Landes geschrieben haben. An die glorreiche Zeit der Kreuzritter erinnern die trutzigen Burgen aus dem Mittelalter. Und Jordaniens Wüstenschlösser sind herrliche Beispiele islamischer Kunst.
Kerak und Shaubak Kerak und Shaubak

In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts errichteten Kreuzritter zahlreiche Burgen, um die Gegend zu kontrollieren. Zwei der schönsten sind die imposanten Kreuzritterfestungen Kerak und Shaubak. Beide liegen auf dem Königsweg, der von Norden nach Süden durchs Land führt. Von beiden hat man einen wunderschönen Blick auf die umliegende Landschaft. Die Burg Kerak liegt 900 Meter über dem Meeresspiegel und befindet sich innerhalb der Mauern der alten Stadt. Die Festung selber ist ein Labyrinth aus Sälen mit gewölbten Decken und endlosen Korridoren. Die am besten erhaltenen Gänge verlaufen unterirdisch. Etwa eine Autostunde nördlich von Petra entfernt liegt die Festung Shaubak. Die Burg sieht wie eine natürliche Erweiterung des Berges aus. Die ungewöhnliche Lage hat Shaubak einen natürlichen Burggraben beschert, da ein Netz von Tälern den Berg umgibt.
Ajloun Ajloun

Ein Beispiel für die arabisch-islamische Militärarchitektur des Mittelalters ist die Burg von Ajloun, etwa 55 Kilometer nordwestlich von Amman gelegen. Sie wurde 1184 von einem der Generäle Saladins erbaut und diente dem Schutz der Eisenerzminen in der Umgebung sowie der Verkehrs- und Handelswege zwischen Jordanien und Syrien. Sie war ein wichtiges Glied in der Verteidigung gegen die Kreuzritter, die jahrzehntelang erfolglos versuchten, die Burg einzunehmen.
Schätze in der Wüste: arabische Wüstenschlösser

Jordaniens Wüstenschlösser sind Zeugnisse einer faszinierenden Ära der reichen Geschichte des Landes. Ihre prächtigen Mosaike, Fresken, Steinreliefs und Stuckornamente zeigen beste persische und griechisch-römische Traditionen. Die Wüstenschlösser, die nur wegen ihres imposanten Aussehens so genannt wurden, dienten eigentlich verschiedenen Zwecken, beispielsweise als Karawanserei, Landwirtschafts- und Handelszentrum, Vergnügungsorte und Außenposten für Herrscher in der Ferne, die Kontakte mit einheimischen Beduinenstämmen knüpfen wollten. Die meisten sind gut mit einer Tagestour von Amman aus nach Osten zu besuchen.

Teils recht verschieden vom Charakter lohnen sich Besuche besonders zum Qasr al-Hallabat, zum Qasr al-Azraq, zum Lustschlösschen Qusayr Amra, zum Qasr al-Kharraneh und zum Qasr al-Mushatta.
Bethanien Biblisches Jordanien

Bethanien

In Bethanien jenseits des Jordans, direkt am Fluss Jordan etwa 45 Fahrminuten westlich von Amman entfernt, lebte Johannes der Täufer. Seit fast zwei Jahrtausenden ist die Gegend entlang des Ostufers des Jordans gegenüber von Jericho als der Ort bekannt, an dem Jesus von Johannes getauft wurde. Dank phänomenaler archäologischer Funde konnte 1996 sogar die genaue Stelle identifiziert werden. In der Bibel (Johannes 10:40) wird dieser Ort erwähnt, als Jesus der Steinigung durch die Juden in Jerusalem entkommt: "Dann ging er wieder fort auf die andere Seite des Jordans, an den Ort, wo Johannes zuvor getauft hatte, und blieb dort."
Madaba Berg Nebo

Ein weiterer bekannter Ort aus der Bibel ist der Berg Nebo, von dem aus Moses das gelobte Land Kanaan erblickte und auf dem er begraben liegen soll. Diese Stätte der Verehrung ist die heiligste in ganz Jordanien und war einst ein Wallfahrtsort früher Christen. Die erste Kirche des Berges Nebo wurde im späten vierten Jahrhundert erbaut, um diese Stätte zu markieren.




Madaba

Einen Katzensprung von dort liegt die antike Stadt Madaba, auch bekannt als "Stadt der Mosaike". In der Stadt auf der jordanischen Hochebene leben heute sowohl Christen als auch Muslime. Madaba fand zur Zeit des Auszugs aus Ägypten um 1200 v. Chr. zum ersten Mal in der Bibel Erwähnung. Die Hauptattraktion befindet sich in der zeitgenössischen griechisch-orthodoxen Kirche St. Georg: und zwar die älteste Mosaiklandkarte des Heiligen Landes aus dem sechsten Jahrhundert, die Jerusalem, das Tote Meer und andere heilige Stätten zeigt. Mit ihren zwei Millionen farbigen Steinen und einer ursprünglichen Größe von 25 x 5 Metern, die heute noch größtenteils erhalten ist, stellt die Karte Hügel und Täler, Dörfer und Städte dar, die so weit entfernt liegen wie das Nildelta.
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