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Die weiße Bilanz

 Text: Martin Fraas / ADAC reisemagazin

Fotos: Frank Bauer / ADAC reisemagazin

700 Pistenkilometer umfasst der Salzburger Teil der Region Ski amadé. Doch wie viele davon schafft ein Skifahrer in einer Woche? Das war die Fragestellung für einen Selbstversuch. Mit überraschendem Ergebnis.

Fotos: Frank Bauer
ADAC reisemagazin

Männer brauchen bekanntlich immer eine Herausforderung. Im Job sowieso. Aber auch in der Freizeit, beim Sport. Ich entdeckte meine, als mir der Prospekt von Ski amadé in die Hände fiel. Das Gebiet verspricht nicht ohne Stolz, mit 860 Pistenkilometern der größte Skiverbund Österreichs zu sein. Und immerhin 700 liegen im Salzburger Land. 700 Kilometer. Man muss sich das mal vorstellen. Das entspricht ziemlich genau der Strecke von Hamburg nach Garmisch-Partenkirchen. Und das auf Skiern, non­stop bergab, ohne einen einzigen Kilometer zweimal fahren zu müssen.

Klingt nach der idealen Aufgabe für einen Selbstversuch. Der könnte auch Antwort auf die Frage geben, die ich mir schon so einige Male auf Fahrten in quälend langsamen Sesselliften gestellt habe: Wie viele Pistenkilometer schafft man eigentlich am Tag? Und, erweitert auf einen Skiurlaub: Wie viele Kilometer sind in einer Woche möglich? Die Region Ski amadé erweist sich als ideales Feldforschungsterrain. Per Liftpass wird dort jede Fahrt registriert. Am Ende des Skitages kann man im Internet die Tagesbilanz checken. Optimistisch gehe ich von 100 möglichen Kilometern pro Tag aus. Ja, so weit der Plan.

Tag 1 — Basiscamp für die Skisafari ist Alpendorf in St. Johann. Es bildet das Zentrum des Amadé-Sternensystems. Alle umliegenden Ski-Planeten sind mit dem Auto in maximal 30 Minuten zu erreichen. Und ins Kernskigebiet kann man direkt auf Skiern einsteigen. Den Ziehweg runter, um Punkt neun Uhr stehe ich am Lift. Persönlicher Rekord, denn ich gehöre sonst nicht zu den Skifahrern, die unbedingt als Erste auf der Piste sein müssen. Klare Alpenluft wirkt schließlich schlaffördernd.

Aber ich habe eine Mission zu erfüllen. Das turbulente Skigebiet Alpendorf ist in der Hand von Familien. Und von Holländern. Die haben gerade Skiferien und schätzen die weiten, komfortablen Pisten. Ich entdecke eine Skiroute. Kurz, aber ideal zum Warmwerden. Denn schon wartet eine Herausforderung. Am Hirschkogel gibt es eine Zeitmessstrecke. Ich kämpfe mich durch die Stangen. 44 Sekunden. Nach mir fährt ein Junge, etwa zwölf Jahre alt. Die Uhr bleibt bei 39 Sekunden stehen. Okay, Tempo ist ja wirklich nicht alles.

Fotos: Frank Bauer
ADAC reisemagazin

Am Nachmittag wechsle ich nach Dorfgastein. Anspruchsvolle, lange Pisten, ideal zum Carven. Dazu ein grandioses Panorama. Im Lift treffe ich Anton Bramer, 69 Jahre jung. Einer der Ex-Skilehrer aus der Zeit, als die wirklich noch Toni hießen. Ich habe Mühe mitzuhalten. Und ihn davon abzuhalten, mit mir bei jeder der zahlreichen Hütten einen Einkehrschwung zu machen. Später beim Après-Ski erzähle ich ihm, dass der ADAC nun auch Skihelme testet. „Du weißt schon, wie der Helmtest bei uns geht“, sagt Toni. „Man hat einen Helm und eine Zipfelmütze vom Kirchturm geworfen. Der Helm? Gebrochen. Die Zipfelmütze? Nichts passiert!“ Zünftige Alpinphilosophie am Ende eines herrlichen Skitags. Ich habe das Gefühl, rekordverdächtig weit gefahren zu sein. Doch am Abend die Ernüchterung: nur 38 Pistenkilometer.

Tag 2 — Taktikänderung: Heute werde ich nicht mehr sklavisch jede Piste fahren, jeden Kinder-Schlepplift nehmen. Das Skigebiet Flachau ist ideal, um meine Kilometerbilanz voranzutreiben. Pisten wie hingegossen. Ein Paradies für sportliche Genießer. Höhepunkt des Tages ist die drei Kilometer lange Abfahrt Richtung Moadörfl zur Mittelstation der Roten 8er. Extreme Kurvenrauschgefahr. Zum höchsten Punkt des Skigebiets führt der „Top Liner“-Sessellift, er sieht aus wie einem Siebzigerjahre-James-Bond-Film entsprungen. Retro-Charme, auf dem neuesten Stand der Technik. Auf der schwarzen Piste, zu der er führt, trainiert ein Nachwuchs-Rennteam. Unglaublich, wie professionell die Kinder bereits fahren. Die Gegend hat eben ein gutes skifahrerisches Karma. Schließlich stammt der legendäre Skirennläufer Hermann Maier, der „Herminator“, von hier und hat in Flachau eine Skischule. Spannung am Abend: 42 Pistenkilometer. Nun gut, leichte Tendenz aufwärts.

Fotos: Frank Bauer / ADAC reisemagazin

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